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Wir stärken gesellschaftliche Teilhabe

Patienten-Initiative jetzt auch im Kulturbereich aktiv

Die Patienten-Initiative blickt auf eine mehr als 35jährige Arbeit für die Interessen von Patientinnen und Patienten zurück.
1984 hat die Hamburger Morgenpost den Skandal um den ehemaligen Chefarzt der Orthopädie im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek, Prof. Dr. Dr. Dr. Rupprecht Bernbeck aufgedeckt. Geschädigte Patienten taten sich zusammen und gründeten die Patienten-Initiative. Dem Arzt wurden schwere Behandlungsfehler in weit über 200 Fällen vorgeworfen und den Patient*innen nach langwierigen außergerichtlichen Verfahren Schadenersatz in Millionenhöhe zugebilligt. Der Fall gilt noch heute als einer der größten Medizin-Skandale der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Eine unabhängige Beratung für Patient*innen zum Thema Patientenrechte gab es zu der Zeit nicht. Nach den rechtlichen Auseinandersetzungen und der Aufarbeitung des Skandals durch einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft blieb der Verein engagiert dabei und setzte die Finanzierung einer Beratungsstelle durch. 

Neben der Patientenberatung initiierten wir im Jahr 1999 das neue Projekt [PI(K)], Patienten-Initiative im Krankenhaus. Wir setzten in Kooperation mit mehreren Hamburger Kliniken unabhängige Patienten-Vertrauenspersonen ein. Sie gaben den Beschwerden von Patient*innen und Angehörigen eine Stimme und meldeten deren Kritik an die Klinik zurück. Mit dem Ausbau des internen Beschwerdemanagements der Kliniken beendeten wir das Projekt 2013.

Von 2006 bis 2015 war die Patienten-Initiative Träger der regionalen Beratungsstelle Hamburg der UPD – Unabhängige Patientenberatung Deutschland gGmbH.
Seit 2016 hat ein privater Anbieter die unabhängige Patientenberatung übernommen und wir mussten unsere Beratungsstelle schließen. Trotzdem bieten wir weiterhin Beratung zum Thema Behandlungsfehler an, denn es mangelt an Unterstützungsmöglichkeiten. Die Klärung vermuteter Fehler ist für die Betroffenen und ihre Familien belastend und langwierig. An Geld darf es nicht scheitern und darum richten wir unser Augenmerk auf diejenigen, die keinen Rechtsanwalt beauftragen können und bersten kostenfrei. 

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist seit 2014 das Thema Barrierefreiheit in der gesundheitlichen Versorgung. Die Projekte haben einen eigenen Slogan: „Barrierefrei. Wir sind dabei.“

Mehr Transparenz über barrierefreie Merkmale ist Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Behinderung ein Krankenhaus oder eine Praxis nach ihren Bedürfnissen finden können. In Kooperation mit dem Paritätischen Hamburg und der AOK Rheinland/ Hamburg haben wir die WebApp planB.hamburg entwickelt. Wir beraten Arztpraxen, nehmen Daten zur Barrierefreiheit auf und veröffentlichen sie in der WebApp. Hier können Arztpraxen nach Merkmalen zur Barrierefreiheit gesucht werden und zwar gefiltert nach den unterschiedlichen Bedarfen von Menschen mit Behinderung.

Die langjährigen Erfahrungen mit den Dimensionen der Barrierefreiheit und detaillierten Erhebungen fließen jetzt in unser neues Vorhaben ein. So wie in Arztpraxen soll auch im Museum oder Stadtteilkulturzentrum sichtbarer werden, wie die konkreten Bedingungen in für Menschen mit Behinderung oder anderen Einschränkungen aussehen. Auch mit Kinderwagen, Gipsverband oder Rollator stösst man auf viele Hürden. 

Ein leichter Zugang ist aber für alle gesellschaftlichen Bereiche der Schlüssel zur Inklusion und Teilhabe. Ausgehend von der Checkliste für die Erhebungen in Arztpraxen haben wir Fragen für Kultureinrichtungen entwickelt. Gar nicht so einfach, die Vielfalt von Angeboten mit den Bedarfen von Menschen mit Behinderung konkret genug zu erfassen! Aktion Mensch hat die Website für unsere KulturPerlen Hamburg gefördert und wir beginnen nun, die Seite nach und nach mit Perlen zu füttern. Corona wird uns nicht aufhalten. 

Die Patienten-Initiative e.V. ist Mitglied im Paritätischen Hamburg, der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung und in der Landesarbeitsgemeinschaft der Behinderten in Hamburg (LAGh).

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